Eine Postkutschenfahrt durch die Nordeifel im Jahre 1869
von Franz Held
Die Mitte des 19.
Jahrhunderts ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Nordeifel
von schicksalhafter Bedeutung. Um das Jahr 1860 begann der Abstieg und
der Verfall der Eifeler Eisenindustrie und der Aufstieg des
Bleierzbergbaues mit Verhüttung am Bleiberg bei Mechernich.
Der nachfolgende Beitrag versucht, die Situation dieser Wende
festzuhalten. Wer heute durch das Schleidener Tal bis nach Call und
durch das obere Bleibachtal wandert, vermag sich kaum noch
vorzustellen, daß die -vom Verkehr abgesehen- heute so still
gewordenen Täler vor 120 Jahren von dem lebhaften Wirken und
Treiben erfüllt waren, welches von Hochöfen, Hammerwerken und
Pochwerken ausgeht. Die Industriedenkmäler, die in der Landschaft
an die Eisen- und Bleigewinnung, an die Gruben, Schächte, Stollen
und Halden erinnern, werden immer weniger. Es ist zu bedauern,
daß die hervorstechendsten Erinnerungsstücke an die
industrielle Entwicklung des Gebietes immer mehr schwinden, denn sie
verkörpern einen wichtigen Abschnitt der
Heimatgeschichte.Begleiten wir am Morgen des Martinitages des Jahres
1860 die Postkutsche von Hellenthal/Eifel in Richtung Köln und
erleben auf der Bezirksstraße bis nach Kommern die Städte
und Dörfer mit den Industrieansiedlungen sowie die Landschaft mit
den Erzbergbaugruben. Mehrere Römerstraßen durchquerten
früher die Eifel; sie waren verfallen und unbrauchbar geworden.
Die schlechten Straßenverhältnisse erschweren den Reisenden
in der Postkutsche, einem zweirädrigen Kastenwagen, den Weg.
Ein Beitrag im
»Eifeler Wochenblatt« klagt im Jahre 1838, "daß der
an wichtigen Berg- und Hüttenwerken so reiche Kreis Schleiden
keine schöne Straßen und Posteinrichtungen aufzuweisen habe.
Unsere zweispännige Schnellpost verkehrt täglich und kann,
über die schlechte Kiesstraße, die dauernd ausgebessert
wird, bis zu zehn Personen befördern". Um 1860 leben noch etwa 60%
der Einwohner der Eifel von der Landwirtschaft, ein Drittel des Bodens
ist Ödland und ein weiteres Teil Brache der Dreifelderwirtschaft.
Der Waldreichtum der Eifel ist durch den hohen Holzbedarf der Eisen-
und Bleiindustrie und durch den Raubbau in der Franzosenzeit
dahingeschwunden. Es wird immer schwieriger, den Bedarf an Holzkohle zu
decken. Die Hüttenmeister versuchen, durch gemeinschaftlichen
Holzeinkauf mit der Lage fertig zu werden. Das Holz bzw. die Holzkohle
muß aus weiterer Entfernung (Ahrgebirge und Luxemburg) mit
Pferdefuhrwerken herangeholt werden; die Preise dafür steigen
erheblich. Frost und Dürre zwingen wegen Wassermangel oft für
längere Zeit den Stillstand der Wasserräder. Die noch
blühende Eisenindustrie der Nordeifel hat gegenüber der
wachsenden Konkurrenz im Ruhrgebiet und Siegerland einen schweren
Stand. Deren Hütten- und Verarbeitungsbetriebe können auf
Grund ihrer Lage und der Verwendung von Steinkohle billigeres Eisen
herstellen. Es werden im Jahr etwa 12000 Pferdefuhrwerke Holzkohle
sowie 45 000 Scheffel Steinkohle über die schlechten Straßen
herangefahren und 90 000 Zentner Eisen - davon etwa 48 000 Zentner
über Kommern - abgefahren. Mit dem Bau der Eifeleisenbahn durch
das Schleidener Tal glaubt man, den Rückgang der Eisenindustrie zu
bremsen. Die preiswertere und schnellere Eisenbahn wird zu spät
gebaut. Der andauernde Streit um das Projekt der Eifeleisenbahn wird
schließlich das endgültige Schicksal der alten Eifeler
Eisenindustrie besiegeln. Erst 1865 wird die Eisenbahnstrecke von
Euskirchen bis Mechernich, 1867 bis Call und 1884 von Call bis
Hellenthal fertig werden, für die Eisenindustrie zu spät,
für die Bleiindustrie noch gerade rechtzeitig.
Ein Beitrag im »Eifeler Wochenblatt« klagt im Jahre 1838,
"daß der an wichtigen Berg- und Hüttenwerken so reiche Kreis
Schleiden keine schöne Straßen und Posteinrichtungen
aufzuweisen habe. Unsere zweispännige Schnellpost verkehrt
täglich und kann, über die schlechte Kiesstraße, die
dauernd ausgebessert wird, bis zu zehn Personen befördern". Um
1860 leben noch etwa 60% der Einwohner der Eifel von der
Landwirtschaft, ein Drittel des Bodens ist Ödland und ein weiteres
Teil Brache der Dreifelderwirtschaft. Der Waldreichtum der Eifel ist
durch den hohen Holzbedarf der Eisen- und Bleiindustrie und durch den
Raubbau in der Franzosenzeit dahingeschwunden. Es wird immer
schwieriger, den Bedarf an Holzkohle zu decken. Die Hüttenmeister
versuchen, durch gemeinschaftlichen Holzeinkauf mit der Lage fertig zu
werden. Das Holz bzw. die Holzkohle muß aus weiterer Entfernung
(Ahrgebirge und Luxemburg) mit Pferdefuhrwerken herangeholt werden; die
Preise dafür steigen erheblich. Frost und Dürre zwingen wegen
Wassermangel oft für längere Zeit den Stillstand der
Wasserräder. Die noch blühende Eisenindustrie der Nordeifel
hat gegenüber der wachsenden Konkurrenz im Ruhrgebiet und
Siegerland einen schweren Stand. Deren Hütten- und
Verarbeitungsbetriebe können auf Grund ihrer Lage und der
Verwendung von Steinkohle billigeres Eisen herstellen. Es werden im
Jahr etwa 12000 Pferdefuhrwerke Holzkohle sowie 45 000 Scheffel
Steinkohle über die schlechten Straßen herangefahren und 90
000 Zentner Eisen - davon etwa 48 000 Zentner über Kommern -
abgefahren. Mit dem Bau der Eifeleisenbahn durch das Schleidener Tal
glaubt man, den Rückgang der Eisenindustrie zu bremsen. Die
preiswertere und schnellere Eisenbahn wird zu spät gebaut. Der
andauernde Streit um das Projekt der Eifeleisenbahn wird
schließlich das endgültige Schicksal der alten Eifeler
Eisenindustrie besiegeln. Erst 1865 wird die Eisenbahnstrecke von
Euskirchen bis Mechernich, 1867 bis Call und 1884 von Call bis
Hellenthal fertig werden, für die Eisenindustrie zu spät,
für die Bleiindustrie noch gerade rechtzeitig.

Unsere Fahrt beginnt in Hellenthal, wo die Olef einen Bandhammer
treibt, der jährlich 5 000 kg Schlichteisen herstellt. Der
Hellenthaler Hochofen mit Stabeisenwerk in Besitz von
Poensgen/Schmidt/Axmacher ist schon im Jahre 1852 erloschen, weil die
Anlage (218 Jahrestonnen) unrentabel wurde. Die nach Schleiden
führende Bezirksstraße gabelt sich in Hellenthal in die
Gemeindewege nach Schöneseiffen/ Monjoie und nach
Hollerath/Prüm an der Sägemühle vorbei. Das Hammerwerk
Hellenthal soll demnächst auch stillgelegt werden. Wir gelangen
nun unmittelbar nach dem Vorort Kirschseiffen mit Hüttenwerken
beiderseits des Olefbaches. Hüttenmeister Wilhelm Schmidt aus
Kirschseiffen gibt uns am Tor -mit den gekreuzten Hammer und Schlegel
jede Auskunft. Der Hochofen mit Stabeisenwerk der Familien
Poensgen/Schmidt/Schoeller produziert etwa 195t Eisen im Jahr.
Über roten Feuersäulen sprühen mächtige Garben von
Funken. Die Dächer sind voll Staub und Asche; Ruß und
Schlacke glüht auf, wenn der Blasebalg in die Esse bläst. Wir
hören das Pochen und Klappern der Hämmer, und unten in der
Tiefe des Wasserrades tost der Bach. Die Schornsteine sind an ihrer
Mündung mit lenkbaren Klappen für den Luftzug versehen. Das
nächste Dorf ist Blumenthal, wo -in Bergwerkskonzessionen von
Bleidell- Bleierze im Schacht- und Stollenbau gewonnen werden. Der
Hüttenmeister Peter Jakob Bastian empfängt uns am alten
Posthof in Blumenthai. Peter Jakob Poensgen betreibt in Blumenthai ein
Hochofenwerk und Stabeisenerzeugung von etwa 175 Jahrestonnen. Der
Hochofen wurde 1857 wegen Unrentabilität abgestellt, und das
Hammerwerk soll stillgelegt werden. Poensgen gründete 1845 in
Blumenthai ein Drahtwalzwerk mit Drahtzieherei. Die Aufgabe der
Drahtzieherei besteht darin, den rohen dicken Walzdraht in
verschiedenen Stärken auf 1/100 mm genau zu ziehen in bester
Qualität.

Altes Eifeler Eisenhammerwerk
Etwa 1km hinter Blumenthal
passieren wir links der Straße das Reidtwerk Müllershammer
mit Staubecken am Olefbach. Müllershammer (Hochofen und
Stabeisenwerk) gehört den Familien Peuchen/Poensgen/Axmacher und
erzeugt 190 t Eisen im Jahr. Das nächste Dorf ist Oberhausen. Hier
steht das Stabeisenwerk der Geschwister Peuchen und Peter Jakob
Poensgen mit etwa 195 Jahrestonnen. In der Eisenhüttenanstalt
(Reidtwerk) sind Holzkohlenhochofen und Hammerwerk unter einem Dach.
Die nebenan liegenden Schuppen dienen der Lagerung von Holzkohle,
Eisenerz getrennt nach Herkunft, Kalkstein und fertigem Profileisen.
Für 100kg Roheisen braucht man etwa 200kg Holzkohle. Der Abstich
des Hochofens erfolgt durch Entfernung eines Lehmpfropfen 2x in 24
Stunden. Das flüssige Roheisen läuft in eine Sandform. Die
Straße fällt dem Laufe der Olef entsprechend leicht ab und
führt an Wiesgen vorbei mit anschließendem
Eisenhüttenbetrieb des Peter J. Poensgen. Die Hütte wurde
schon 1780 vom Herzog von Arenberg konzessioniert. Wir erreichen nach
wenigen Minuten die Kreisstadt Schleiden, die von allen Seiten mit
Bergen umgeben ist. Hier fließt aus dem prächtigen
Kammerwald der Dieffenbach in die Olef, und auf der Höhe liegt das
Schloß Schleiden, der Stammsitz der Grafen von Schleiden und von
Manderscheid. Hinter Schleiden begleiten uns die Industrieanlagen des
Vorortes Gangfarth, die Poensgen/Schruff gehören und jährlich
188t Stabstahl erzeugen.Hinter einer Straßenkurve liegt nun
rechts in einem Wäldchen versteckt zur Olef hin die
Pulvermühle Reinhardsau. Unser Weg führt uns durch das Dorf
Olef mit dem Reidtwerk von Axmacher / Pirath, das etwa 50t Eisen
erschmelzt und verarbeitet. Das Gießen von Kamin- oder
Ofenplatten (Takenplatten) wird nur noch ganz vereinzelt
betrieben.Nachdem wir das kleine Dorf Nierfeld rechts und eine
Sägemühle links verlassen haben, erreichen wir am
Zusammenfluß von Olef und Urft die schöne Stadt Gemünd.
An der Posthalterei (sogen. Kariolposten mit 15 Pferden) Hans Wilhelm
Günther machen wir eine längere Pause, dann geht es
urftaufwärts durch den Industrievorort Mauel. Das Gemünder
Walzwerk in Mauel ist eines der bedeutendsten Industrieunternehmen der
Rheinprovinz. Es wurde 1763 von Johann Peuchen und Johann Rotscheidt
als Eisenwalzwerk und Eisenschneidmühle errichtet. Das Werk von
Poensgen/Rotscheidt stellt jährlich etwa 800t Band- und Nageleisen
her. Das Stabeisenwerk Mauel der Familien Rotscheidt / Schoeller hat
eine Kapazität von 265t im Jahr. Albert und Julius Poensgen wollen
das Röhrenwerk Mauel, das Drahtwerk Mariahütte und die
Nagelfabrik Poensgen von Gemünd nach Düsseldorf-Oberbilk
verlegen. Das Walzwerk beschäftigt 300 und die
Gasröhrenfabrik 200 Arbeiter. Im Jahre 1857 wurden von Poensgen
noch 190t Siederohre und 250t Gas- und Wasserrohre exportiert. Peter
und Heinrich Strömer sowie Ludolf Cramer errichteten 1780 in Mauel
einen Eisenreckhammer zur Verarbeitung des im Reidtwerk gewonnenen
Stabeisens zu Eisengeräten. Oberhalb Mauel mündet von der
linken Seite aus dem großen Arenbergischen Forst (Kermeter) der
Kohlweg, ein ausgebauter Holzabfuhrweg, auf dem die Kermeterköhler
ihre Holzkohle zur Eisenindustrie ins Schleidener Tal und zu den
Bleihütten bei Mechernich fahren lassen. In allen Dörfern der
ganzen Gegend gibt es Pferde-fuhrunternehmer, die hier tätig sind.
Die Fuhrwerkfracht für 10 Zentner Eisen von Schleiden bis
Köln (12 Stunden) kostet 2 Thaler. Der Weg steigt nun an; wir
passieren das Örtchen Anstois mit einer Bleiweißfabrik
(Mastertmühle) und kommen zu den Reidtwerken Call von
Schruft/Poensgen, welche 250t Stabeisen jährlich produzieren. Da
der Hüttenmeister Paul Heinrich Schruff auf dem Caller Reidtwerk
Loshart und Eisenau ein ausgezeichnetes Eisen erzeugte, welches man aus
freier Hand zu geschmiedeten Gewehrläufen verarbeitete,
übernahm 1826 der preußische Staat den Hüttenbetrieb
und die mechanische Verarbeitung. Um 1850 waren in der Nordeifel noch
25 Eisenschmelzöfen, 20 Hammerwerke und 160 Eisensteingruben
(Eisenerz) in Betrieb; es wurden 58 000 t Eisenstein verarbeitet und
800 Arbeiter waren in der Eisenindustrie beschäftigt. Die Eifeler
Hochöfen sind rund 6-7m hoch und haben einen Inhalt von 4-8
Kubikmetern. Die Eisenschmelzen sind aus Stein gemauert und stehen
meist am Abhang. Die. Beschickung mit Eisenerz, Holzkohle und Zuschlag
(Kalk oder Sand) erfolgt über eine schiefe Ebene oder Rampe. Die
mechanische Arbeit für die Windgebläse und Hämmer
verrichten die Eifelbäche mit ihrem starken Gefälle, die
meist angestaut werden. Von Call aus sehen wir auf den Heidenacker und
den Girzenberg bei Keldenich, ein bevorzugtes Eisenerzgebiet; richtige
Grubenfelder befinden sich in dem Gelände. Die bergmännische
Gewinnung der Eisenerze in der Nordeifel ist ein freies Gewerbe der
Dorfbewohner, die als Eigenlöhner oder für Aufträge der
Reidtmeister arbeiten. In einer Tiefe von 20 bis 50 m schürfte man
Eisenstein mit 12 bis 15% Eisengehalt. Nachdem wir in Call im
Olligschlägerschen Gasthaus kurz abgestiegen sind, verlassen wir
nun das Urfttal; über Callerheistert geht ein steiler Weg auf die
Wallenthalerhöhe. Rechts des Weges liegt in einer Hanglage mit
Sattel die Bleihütte Call (Schliessenmaar). Sie verdankt ihre
Entstehung im Jahre 1840 den Bleierzvorkommen in der Umgebung. Die
relativ armen Erze werden nach bestehenden Aufbereitungsmethoden
angereichert und zusammen mit bleihaltigen Schlacken und fremden Erzen
verhüttet.

Tagebau Bachrevier mit Förderschacht, Pferdegöpel und Schlämmanlage
Die Straße geht nun
abwärts mit leichtem Gefälle in Richtung Roggendorf und
Commern. Zur rechten Seite zieht sich der Bleiberg nach Nordosten bis
hinter Mechernich, und ab Scheven begleitet uns der Bleibach. Auf der
Höhe sehen wir das Dorf Keldenich mit dem sagenumwobenen Dansberg
sowie die Dörfer Dottel und Callmuth sowie im Bleibachtal die
Bergarbeiterdörfer Kaienberg und Strempt mit ihren vielen kleinen
Fachwerkhäusern. Wir können am Berghang gegenüber
Roggendorf eine riesige Anschüttung und hinter Scheven die
Vorarbeiten für einen Tunnelbau der neuen
Eisenbahnstreckenführung erkennen. Das Bergwerksgelände am
Bleiberg gibt das Bild von den einfachen Formen der Schürftechnik
aus der vorindustriellen Zeit: Untertagebauten mit primitiven
Schachtanlagen, hölzerne Winden und einfachem Arbeitsgerät,
dazu Abraumhalden, Sand- und Geröllberge. Der Bleierzbergbau am
Bleiberg erlebt seit einigen Jahren einen enormen. Aufschwung. Die
Gebrüder Kreuser aus Glehn kauften bereits 1843 einige
Grubenfelder am Callmuther Berg, werden 1850 Teilhaber der
Meinertzhagener Bleibergwerke und übernahmen 1852 deren gesamten
Bleierzbergbau einschließlich Aufbereitung und Verhüttung.
Sie eröffneten auf dem Bachrevier 1853 einen großen Tagebau
von 400m Breite und legten ein ungeahntes riesiges Bleierzlager in
Knottenform frei. Neue Verfahren in der Bergbautechnik
ermöglichten nun einen Abbau im großen Stil. Die Knottenerze
werden zur weiteren Verarbeitung zu den Poch- (Stoss-) und
Schmelzhütten an den Bleibach gebracht. Von den vielen
Schächten und Tagebauten am Bleiberg führen eine große
Anzahl Knollenwege zu den Hütten und Wäschen am Bach. Im
Jahre 1859 gründeten die Gebrüder Kreuser den Mechernicher
Bergwerks-Actien-Verein, der nun die Meinertzhagener Gebiete
Bachrevier, Frauenbusch, Schafberg und Kohlhau sowie von Henseler den
Callmuther Berg und von Schunk & Olligschläger den
Jülicher Berg umfaßte. In die Konglomerat- und
Sandsteinschichten sind Knottenerze mit etwa 20% Bleigehalt
eingelagert. Die Knottensandsteine haben einen Bleigehalt von 1 bis 3%
.Die Bleiproduktion des Bergwerks-Actien-Vereins beträgt ca.
16000t jährlich. Zur linken Seite - weiter abseits der
Straße - zieht sich bis vor Bleibuir das Bleierzgebiet der
»Guten Hoffnung« hin. Nun reiht sich am Bleibach eine
Bleihütte und ein Pochwerk an das andere. Die Luft ist voller
Holzkohlenschwaden von den Hütten und erfüllt von dem
Lärm der Pochwerke, welche die Bleiknotten zerstampfen. Die
Abschlämmweiher, in denen sich die feinen Bleiteilchen absetzen,
reihen sich am Bach entlang. Zwischen Strempt und Roggendorf erkennt
man noch die Reste der Burganlage Haus Rath (Rode), die 1853 wegen des
Eisenbahnbaues abgebrochen wurde und deren Felder und Wiesen schon 1771
beim Kauf durch den Herzog von Arenberg vom Ritter von Twickel
»als vom Bleisand verdorben und für Mensch und Vieh
gesundheitlich gefährlich« bezeichnet wurden. Bei Denrath
fahren wir an der Bleihütte mit Pochwerk Heufahrtshütte
vorbei; in Strempt steht die Ackerhütte, und in Roggendorf liegt
die Oberhütte. Der Bergwerksbesitzer Johann Albert Abels aus
Commern, Repräsentant des Bergwerks d' Artigues, hat 1832 seine
Konzession am Griesberg (Gottessegen) an die BergwerksgeseIlschaft
Pirath & Jung übertragen. Ihr gehören im Mühlenthal
am Bleibach in Richtung Commern die Mittelhütte und die
Unterhütte mit Aufbereitungs-anlagen sowie Bleiverarbeitung.
Sebastian Guennersdorf hat die Bergbaukonzession Sillart, Mechernicher
Berg und Peterheide. An der Bezirksstraßenabzweigung in Richtung
Mechernich liegt die Elisabethhütte der Gebrüder Kreuser.
Schon die Kelten und Römer haben am Bleiberg Blei gewonnen; der
Bleiberg birgt 300 Mio. Tonnen Bleierz; wie wird die weitere
Entwicklung sein? Zu Beginn der Mühlengasse von Commern stehen am
Bleibach eine Getreide- und eine Olmühle. Im Gasthaus »
Römer« in Commern steigen wir ab, wir sind am Ziel unserer
Reise angekommen.
Entnommen: Kreis Euskirchen, Jahrbuch 1986
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